Botswana: im Bilderbuch-Afrika

Botswana, das Land der Artenvielfalt und Naturschönheiten, des luxuriösen Exklusivtourismus. Botswana gilt überdies als afrikanisches Vorzeigebeispiel hinsichtlich Demokratie und sozialer Leistungen. Es ist aber auch das Land der Diamanten (Botswana gilt neben Australien als grösster Diamantenproduzent der Welt) und Rinder (Rindfleisch ist drittwichtigstes Exportgut ). Der hohe Stellenwert der Rinderzucht wird deutlich, wenn man sich all die unzähligen Veterinärzäune vor Augen führt, die quer durchs Land gezogen wurden um die Rinder vor Seuchenübertragung durch Wildtiere zu schützen. Für Reisende bedeutet dies, dass man immer wieder vor den Veterinärgattern anhalten muss und dann je nach Gemütslage der Beamten, nebst der allfälligen Desinfektion von Fahrzeug und Schuhen, A) warten und dann den Kühlschrank zeigen muss, B) warten, dann denn Kühlschrank zeigen muss und sämtliche Milch- sowie Fleischprodukte abgeben muss, oder C) dem Beamten mit einer kühlen Cola oder Ähnlichem eine Freude bereiten darf. Manchmal sind die Leute vom Veterinäramt aber auch einfach nur gut gelaunt und wollen mit dir einen kleinen Schwatz halten. Wir haben das ganze Prozedere eher als Alibi-Übung empfunden.

Um Zeit, Geld und „unnötige“ Kilometer zu sparen und vor allem öden Teerstrassen auszuweichen, beschlossen wir nach unserem Namibia-Urlaub statt über die geläufige Strecke via Caprivi-Streifen über einen kleinen, wenig befahrenen Grenzposten (Dobe) nach Botswana zu gelangen. Im Reiseführer wurde allerdings von der schwierigen und tiefsandigen Piste (Zitat: Expeditionscharakter!) gewarnt, die man nur mit genügend Benzin- und Wasservorräten sowie im Konvoi befahren sollte. Nachdem uns jedoch ein paar Einheimische versichert hatten, dass die Strecke problemlos zu befahren sei, machten wir uns dennoch auf den Weg. Sicherheitshalber mit extra Benzin und Wasser, jedoch nicht im Konvoi. Da dieser Grenzübergang nicht touristisch genutzt wird, stellten wir uns auf einen „lustigen“ und voraussichtlich langen Tag ein. Auf namibischer Seite verlief alles wie am Schnürchen, auf botswanischer Seite mussten wir erst zwei Veterinärzäune passieren. Dies war der Anfang unserer Veterinärzäune-Odyssee. Nach einem Autocheck, bei dem eigentlich nicht wirklich etwas geprüft wurde und einem kleinen Schwatz mit den Männern der Immigrationsbehörde erhielten wir die gewünschten Stempel und das war’s. Obwohl wir im Reiseführer gelesen hatten, dass man an den Grenzen Strassenbenutzungsgebühren bezahlen, sowie eine Versicherung abschliessen muss, wusste niemand von den Anwesenden etwas davon. Die Herren wollten kein Geld, was auch in unserem Sinne war. Dafür machten sie ein paar Witze auf unsere Kosten, nachdem wir ihnen erläutert hatten, dass wir mit diesem alten Auto bis nach Äthiopien wollen. Es sei ihnen gegönnt. Denn gutgelaunte Beamte sind in der Regel weniger erpicht auf Schmiergeld.

Die besagte schwer passierbare Strecke entpuppte sich dann als gut zu befahrene Strasse, die offenbar vor kurzem gewartet wurde. So gelangten wir noch am selben Tag nach Maun, der Safarihauptstadt Botswanas am Okavango-Delta. Dort machte sich erstmals Ernüchterung breit, als wir realisierten, dass Botswana für Individualreisende nur bedingt geeignet ist. Parkbesuche und Unterkünfte in den Parks (und in Botswana gibt es enorm viele Parks) muss man prinzipiell voraus buchen und bereits im Vorfeld bezahlen. Als wir nachlasen, wie das Buchungsprozedere in der Theorie funktioniert, hätten wir Botswana am liebsten wieder den Rücken gekehrt. Wir mussten erkennen, dass wir zu wenig flexibel sind, um uns vorstellen zu können, die ganze Botswanareise akribisch im Voraus zu planen. So kompliziert, wie im Reiseführer beschrieben, war es dann glücklicherweise doch nicht. Auf dem Büro der Wildlife-Behörde ergatterten wir uns spontan noch Permits für das Central Kalahari Game Reserve und konnten sogar in der selben Woche noch im Park unterkommen. Glück gehabt!

Unser Kalahari Abenteuer hat sich schliesslich mehr als gelohnt! Wir waren drei Tage in diesem riesigen Park und genossen die unendliche Weite. Im Gegensatz zum Etosha NP begegneten wir dort nur sehr wenigen Touristen, es war herrlich ruhig. Dies liegt wohl daran, dass man in das CKGR jegliches Wasser und Essen, welches man für die Tage braucht, selbst mitbringen muss. Infrastruktur würde man dort vergebens suchen. Auch die Strassen waren zwar befahrbar, jedoch ziemlich schlecht. Raubtiere haben wir keine gesehen; hörten immerhin Morgens und Abends, wenn wir gemütlich in unserem Dachzelt lagen, ein paar Löwen brüllen. Faszinierend. Überdies ist die Vogelwelt der Kalahari absolut erwähnenswert. Dominik mutierte sogar ein wenig zum Hobby-Ornithologen, indem er bei jeder Vogelsichtung mit schillernden Namen um sich warf. Am 7. Mai feierten wir seinen Geburtstag mit einem über dem Feuer gebackenen Geburtstagskuchen (Schokolade mit aufdringlicher Rauch-Note). Seit Maun hatten wir übrigens noch einen blinden Passagier an Bord. Eine kleine Spitzmaus hat es sich überall im Auto bequem gemacht und sich ihren Weg von zuhinterst bis zuvorderst durchgefressen. Nebenbei hat sie alles schön mit ihren Ausscheidungen markiert und unsere wertvollen Essensrationen angeknabbert! Nach drei Tagen hat Dominik der Maus den Krieg erklärt und aus zusammengewürfelten Gegenständen eine Mausefalle gebastelt. Ich staunte nicht schlecht, als die Maus am nächsten Morgen tatsächlich in die Falle getappt war, hatte ich doch das Vorhaben als eine Dominiksche MacGyver-Nacheiferei abgetan. Dominik liess Gnade walten und setzte die Maus in der Kalahari aus.

Ein weiterer Ausflug führte uns in die Makgadikgadi Salzpfannen, ein riesiges, fast vegetationsloses Gebiet wo einst ein grosser See war, ungefähr in der Mitte Botswanas gelegen. Auch in diesem Fall wurde im Reiseführer von kleineren und grösseren Gefahren gewarnt, die diese Exkursion möglicherweise hervorrufen könnte. Da wir jedoch in der Trockenzeit über die Pfannen fuhren, war das Risiko minimal auf dem stellenweise einbruchsgefährdeten Untergrund zu fahren. Die Orientierung gestaltet sich zuweilen sehr schwierig, wir schafften den Trip jedoch ohne grössere Extrarunden. Eigentlich hatten wir da fast die beste Zeit unserer Reise. Die Landschaft war unglaublich eindrücklich. Der Horizont endlos. Wir meinten die Wölbung der Erde zu sehen. Die Wolken über uns in spektakulären Formationen. Nur wir zwei. Keine anderen Fahrzeuge, kein Lärm und Gewimmel. Nie zuvor war ich an einem Ort, welcher unendliche Weite auch nur annähernd so gut verkörpert hätte, wie diese abgelegene Gegend von Botswana. Ab und zu erspähten wir in der Ferne riesige Wasserflächen, die natürlich nicht viel mehr waren als optische Täuschungen. Dennoch wähnten wir uns am Meer zu sein. Der Begriff Fata Morgana bekam plötzlich Hände und Füsse. Und dann plötzlich war da eine Insel, inmitten des nicht vorhandenen Wassers. Wir waren auf Kubu Island gestrandet, einer Oase im Nichts. Bizarre Steinformationen und knorrige alte Baobabbäume säumten diesen kleinen paradiesischen Flecken, der uns vom ersten Moment an gefangen nahm. Es war wie in „le petit prince“. Am liebsten wären wir in dieser Märchenlandschaft noch länger geblieben, mussten diesen magischen Ort jedoch wieder verlassen, nachdem unsere Wasservorräte langsam zuneige gingen. Die Rückfahrt in die Realität führte uns über schmale Wege durch den Busch und sandige Pisten,vorbei an vereinsamten kleinen Bauernhöfen in Richtung Gweta. Die Büsche standen zum Teil so eng, dass wir am Ende zerschlagene Rückspiegel hatten und das Auto unzählige Kratzer aufwies. Dies waren jedoch in Anbetracht der wundervollen Erlebnisse in Makgadikgadi magere Verluste.

Verdreckt aber glücklich kamen wir im nächsten grösseren Dorf an, wo wir es uns wieder einmal im Hinterhof einer Lodge gemütlich machten und die Vorteile der Zivilisation nutzten. Dies war auch ein paar Tage lang ganz angenehm und gemütlich, bis es mich ins Bett haute. Stechende Kopf- und Magenschmerzen, Unruhe im Darm. Glieder so schwer wie Blei und dann der plötzliche Temperaturanstieg. Schwindel, und das Gefühl, neben sich zu stehen. Das alles kannte ich schon von meiner letzten Afrikareise. So fuhren wir kurzerhand ins Spital um sicherzugehen, dass das Fieber nicht wieder auf eine aufflammende Malaria-Erkrankung zurückzuführen ist. So kamen wir also an diesem Samstagnachmittag ins Spital, es war nicht viel los, ein paar gelangweilte Krankenschwestern sassen da und unterhielten sich. Sie schienen nicht sehr erfreut über die „Störung“ zu sein. Ich fühlte mich nicht sehr ernst genommen, nachdem eine wortkarge Krankenschwester mir – während ich halb benommen fast von meinem Stuhl fiel – ein, zwei Fragen stellte und dann im Zeitlupentempo zur hauseigenen Apotheke ging, um mich mit ein paar Paracetamol abzuspeisen. Auf meinen nachdrücklichen Wunsch wurde dann doch noch ein Malariatest gemacht, der zum Glück negativ ausfiel! Also alles halb so wild. Nach zwei Tagen war ich wieder einsatzfähig und unsere Reise konnte weiter gehen.

Auf dem Weg in den nördlichsten Osten Botswanas (zugleich Vierländereck zwischen Botswana, Sambia, Simbabwe und Namibia) in die Chobe-Region, machten wir in „Elephant Sands“ halt. Wie der Name besagt, ist dieser Ort ein Mekka für Elefanten Liebhaber. Die sanften Riesen laufen hier sogar über den Campingplatz. Die Elefanten waren überall. Sogar mitten auf dem Highway! Dort erlebten wir noch einmal ein wahres Highlight. Gegen einen kleinen Betrag konnten wir eine Wegbeschreibung zu einer sehr abgelegenen Gegend im angrenzenden Communityland bekommen, um für eine Nacht an einem Wasserloch zu campen. Schon auf der Fahrt dort hin, sahen wir mehrere Elefanten und vor allem deren Hinterlassenschaften in grossen Haufen auf dem Pfad liegen. Um uns herum lauter umgeknickte Bäume und riesige Abdrücke im Sand. Als wir schliesslich an der Stelle ankamen, wo wir nächtigten wollten, überraschten wir dort eine grosse Zebraherde und einzelne Strausse am Wasser. Es war richtig idyllisch. Am Abend machten wir ein kleines Feuer und genossen den Sonnenuntergang über dem Wasser, der kitschiger und schöner nicht hätte sein können. Weil ich jedoch noch immer leicht angeschlagen war, liess ich Dominik alleine am Feuer sitzen und ging zum Auto um mich Bett-fertig zu machen. Dominik, von der Sehnsucht getrieben, folgte mir nur wenige Minuten später. Zum Glück! Denn kaum war er beim Auto angelangt, sah ich ein Tier am Wasser entlang gleiten, welches auf direktem Wege aufs Feuer zu steuerte, wo Dominik gerade eben noch sass. Es war ein Löwe. Ich, den Mund voller Zahnpasta, versuchte Dominik zu kommunizieren, sofort ins Auto zu steigen, was er auch tat (nachdem er sich selbst davon überzeugen konnte, dass ich diesmal wirklich richtig lag). Mit dem Herz in den Hosen stiegen wir ins Dachzelt, welches wir bis zum nächsten Morgen nicht mehr verliessen…Das Brüllen der Löwen und das plätschernde Wasser, als ein Elefant ein nächtliches Vollbad nahm, hätten mich sicherlich geweckt, wenn ich denn hätte schlafen können…Nichtsdestotrotz war es ein eindrückliches Erlebnis, das folglich noch getoppt wurde, als wir auf der Rückfahrt auf eine Elefantenfamilie trafen. Als der Mamaelefant bedrohlich mit den Ohren wedelte und aus vollem Rohr in unsere Richtung trötete, gaben wir nur noch Gas, denn auf einen Kampf mit einem aufgebrachten 6-Tönner wollten wir uns nicht einlassen.

Nun, bald reisen wir nach Simbabwe, wo es wahrscheinlich nicht mehr ganz so geordnet zu und her geht wie in den touristischeren Ländern im südlichen Afrika. Wir haben Botswana als ein wunderschönes Land mit grundsätzlich fröhlichen und hilfsbereiten Menschen kennengelernt. Uns hat es hier sehr gut gefallen, wenn uns auch die Ausrichtung auf exklusiven Luxustourismus nicht zusagt. Man kann sich hier übrigens mit dem Privatjet in die Wildnis einfliegen lassen und dann für 1000 Dollar pro Nacht in kitschiger, klischeehafter Afrikakulisse den Bauch vollschlagen, um anschliessend Aktivitäten wie Quadfahren oder Jagen (in Naturschutzgebieten) zu frönen. Allerdings kann man hier auch, wie wir das so schön selber erlebt haben, unzählige Natur- und Tiererlebnisse haben, ohne explizit dafür zu zahlen. Während ich diesen Bericht hier schreibe, versuchen ein paar vorwitzige Mangusten meine Zehen anzuknabbern, während Affen mit blauen Eiern (kein Scherz!) auf unserem Auto herumturnen, ein knallgelber Vogel dazu etwas zwitschert, ein Warzenschwein im Takt grunzt und mein ganz persönliches Lieblingstier neben mir sitzt und ein Bier schlürft 😉

2 Gedanken zu „Botswana: im Bilderbuch-Afrika“

  1. Liebe Beide.
    Wir sitzen hier im `Daenemark zusammen mit Ariane und Elna und geniessen die schoene Bilder. Das sieht so fantastisch aus.
    Wir denken an euch und wùnschen euch noch viele spaennende Erlebnisse.
    Liebe Grùsse von uns alle hier oben in Daenemark.
    Susanne

  2. Mein lieber Herr Gesangsverein, zum Hobby-Ornithologen wurdest Du schon ernannt. 🙂
    Liest sich echt schön und die Bilder … ich erblasse vor Neid!
    Viel Spass und weiterhin so viel Glück!
    Frank

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