Namibia ahoi!

Wir sind mittlerweile in Namibia und schon beinahe zwei Wochen unterwegs! Und ob man es glauben möchte oder nicht, wir waren so beschäftigt mit einpacken, fahren, auspacken, kochen, essen, schlafen, einpacken, fahren etc., dass wir heute erstmals einen Ruhetag einlegen mussten, um Zeit zu finden, andere Dinge zu erledigen, wie diesen Bericht zu schreiben.

Um nochmals auf Südafrika zurückzukommen: Die besagte Zollinspektion am Hafen war schliesslich weniger spektakulär als erwartet und wir konnten unser Auto problemlos übernehmen. Einige Telefonate waren jedoch nötig, bis wir endlich einen Termin mit unserem Agenten vor Ort klarmachen konnten. Danach bekamen wir eine Kostprobe des in Afrika so beliebten und von unserem Agenten so genannten „waiting game“. Bei diesem Spiel kann man nur gewinnen, wenn man nicht die Nerven verliert. Nach der Terminbestätigung sollten wir innert einer halben Stunde vor Ort sein, weshalb wir unser Zmorge liegen liessen und mit einem Taxi zum Office am Hafen düsten, um pünktlich vor Ort zu sein. Dort wurden wird zum ersten Mal an diesem Tag gebeten zu warten. Nachdem uns die Empfangsdamen nach einiger Zeit Kaffee servierten, wurden uns die Tassen nach zwei Minuten quasi entrissen, weil der Agent endlich eintraf. Als wir am Hafen ankamen, durften wir dort auf die Zollbeamtin warten, die den Termin eine ganze Stunde zu spät wahrnahm. Nach weiteren gefühlten Stunden hatten die Hafenarbeiter das Auto aus dem Container befreit. Die Zollbeamtin entschied jedoch, dass sie keine Lust hatte zu warten, bis das Auto von den Spanngurten befreit war. So gab sie ihr OK und ihre Unterschrift ohne je einen Blick auf das Auto geschweige denn ins Auto geworfen zu haben. Wir dachten nur, dass das „waiting game“ auch entscheidende Vorteile hat und freuten uns, ohne Probleme den Hafen mitsamt Auto verlassen zu können.

Nach einer halsbrecherischen Fahrt durch Kapstadt City erreichten wir gegen Abend die südwestliche Küste und verbrachten dort unsere erste Nacht „draussen“ auf einem Camping. Wir besuchten das Kap der guten Hoffnung und Cape Point, wo der Atlantik und der indische Ozean aufeinander treffen. Die wunderschöne Szenerie wurde leider ein wenig getrübt, nachdem nach und nach haufenweise asiatische Touristen angekarrt wurden und das Klicken der Kameras beinahe das Meeresrauschen übertönte. An den anderen touristischen Orten war es nicht anders, weshalb wir beschlossen zügig nach Norden bzw. Namibia zu fahren. Unterwegs übernachteten wir zum ersten Mal in freier Wildbahn. Wie wir am nächsten Morgen bemerkten, haben wir uns beide in der Nacht halbwegs in die Hosen gemacht. Aber irgendwann muss man ja mal anfangen. Auf dem Weg nach Namibia machten wir wegen sintflutartigen Regenfällen (was anscheinend sehr ungewöhnlich sei in dieser Jahreszeit) gezwungenermassen in Springbok Halt; einer verschlafenen Ortschaft vor der Grenze, die auf der Karte einiges grösser aussieht als sie in Wirklichkeit ist. Wir sind uns beide einig, dass dieser Ort wohl der Skurrilste war, in welchem wir je genächtigt haben. Missionare und Diamantengräber haben diesen Ort gleichermassen eingenommen; es schwebte eine eigenartige Atmosphäre über der Stadt. Es scheint, als seien die Uhren hier stehen geblieben.

Bis auf Weiteres war es das also mit unserem Südafrika-Abenteuer, auch wenn wir nur ein kleiner Teil des Landes gesehen haben. Es war ein guter Start, aber jetzt suchen wir weite, ungezähmte Natur und so blöd es klingt ungeteerte Strassen, wenig Infrastruktur und Einsamkeit. Dennoch: Das Land besticht durch wunderschöne Landschaften. Besondere Freude haben uns auch Südafrikas Bewohner bereitet. An einer Tanke bekamen wir von einem Geschäftsmann eine Visitenkarte in die Hand gedrückt. Er meinte, wir können ihn gerne anrufen, wenn wir Probleme hätten oder etwas brauchen würden. Es sei immer gut, jemanden zu kennen. In einem Toilettenhäuschen wurde ich von einer Putzfrau umarmt, nachdem ich ihr mit rotem Kopf gestehen musste, dass ich leider kein Kleingeld für sie dabei habe: „Don’t worry sweetheart, just give me a hug!“. Auf einem Camping überreichte uns unser Nachbar freudestrahlend einen riesigen wohlschmeckenden Fisch, den er eine Stunde zuvor aus dem Meer geangelt hatte und nahm ihn sogar noch für uns aus. Oder dann der Farmer, der uns auf seinem Grundstück campen liess und uns mit seinen Erzählungen das Land ein bisschen näher brachte. Etwas soll jedoch noch gesagt sein: Afrikaans ist eine eigenartige Sprache! Und dieses Englisch mit südafrikanischem Akzent ist wirklich schwierig zu verstehen. Wenn wir beide jedoch etwa 35% des Gesagten verstehen, ergibt dies auch 70%. Wir haben gelacht, wenn wir uns gegenseitig vorsagten, was wir denn so verstanden haben. Daraus haben wir dann jeweils eine Aussage gebastelt. Auch ansonsten amüsieren wir uns gut, manchmal über die Anderen, manchmal auch über uns selbst. Einer fiel beispielsweise über die Zeltschnur und landete in voller Länge auf dem Latz. Eine spritzte dafür unbeabsichtigterweise den Tisch mit der Dusche ab und wässerte die gesamte Umgebung. So lustig das Camperleben meistens ist, so nervig ist es anderntags. Ein Auto ist eigentlich wie eine kleine Wohnung und muss sauber und ordentlich gehalten werden. Dies gelingt uns (noch) nicht immer so gut. Auf mysteriöse Weise sind schon einige (elementare) Dinge verloren gegangen. Unser Auto ist übervoll und wer viel hat, der kann viel verlieren. So haben wir einen „Ruhetag“ eingelegt um aufzuräumen, Überflüssiges zu entsorgen (wie Dominik so gerne sagt „reduce to the max“) und versorgungstechnisch alles zu optimieren. Nachdem wir uns nun eingepufft haben, sind wir bereit für Namibia und hoffentlich viele Offroad-Abenteuer!

PS. Dominik wird langsam entspannter, macht Fortschritte. Zuletzt hat er jedoch im Supermarkt einer (Anm. Dominik: sehr langsamen) Kassiererin die Plastiktüte aus der Hand gerissen und gemeint, seine Freundin mache das, sie solle sich aufs Tippen konzentrieren, so gehe das schneller. Er übt sich noch im „waiting game“ spielen.


Ein Gedanke zu „Namibia ahoi!“

  1. Hallo Ihr Beiden,

    da habt Ihr in Südafrika ja mächtig Gas gegeben um nach Namibia zu kommen. Ich hoffe, Ihr habt die gute Strasse nach Norden entsprechend genossen. Trotz Eurem Tempo hat es zum Hamburger im Superrestaurant in Springbok gereicht. Hoffe bei meinem nächsten Besuch dort, Euer Foto an der Wand zu sehen. Nun, in Namibia ist (mehrheitlich) Schotter angesagt. Es ist damit auch Gelegenheit, zur Entschleunigung (Dominik an der SPAR-Kasse etc), und zum geniessen. Bei 150km/Tag (750km/Woche im Durchschnitt) und Samstag & Sonntag frei, ist Raum für Erlebnisse und die Integration in das südliche System. Ich wünsche Euch den Mut zum „aabefahre“. Keep cool and enjoy!
    Superfotos, auch Stimmungsbilder…

    roger

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