Namibia ist gross

Einen Monat ist’s her seit wir in Mulhouse am Flughafen unsere Reise gestartet haben. Mittlerweile sind wir in Windhoek, der Hauptstadt Namibias und gleichzeitig geografischen Mittelpunkt des Landes. Wir haben hier ein Backpackerhostel gefunden, wo wir im Hinterhof mit unserem Auto campieren dürfen. So was gibt’s tatsächlich. Windhoek – keine Augenweide – selbst beehren wir eigentlich nur, damit wir unsere Vorräte aufstocken können, endlich mal wieder Internet haben und weil wir an unserem Gefährt herumbasteln müssen. Wir sind sehr unzufrieden mit unserem Dachzelt, welches bereits an mehreren Stellen kaputtgegangen ist und einige Mängel aufweist. Und dann ist das Zelt so unglücklich konstruiert, dass es bei jedem kleinen Windstoss klingt, als würde jemand am Zelt rütteln. Dies führt zumindest auf weiblicher Seite zuweilen zu Schlafproblemen und ungemütlichen Nächten. Dann macht uns die zweite Batterie Probleme, so dass sämtliche Geräte inklusive Kühlschrank in der Namib-Wüste den Geist aufgegeben haben. Angesichts der Temperaturen (40 Grad plus) und des Alters unseres Bijous (25 plus) ist dies aber auch nicht verwunderlich. Aber wir lieben unser neues altes Gefährt. Obwohl dies manchmal schwierig ist, wenn an einem Tag zum 10ten Mal ein neuer, weisser (gemieteter) Toyota oder Land Rover an uns vorbei gerast ist und uns in einer Staubwolke zurückgelassen hat. Wir haben wohlgemerkt auch keine Klimaanlage, sondern nur ein kleiner Ventilator und schwitzen so vor uns her, wenn wir mit durchschnittlich 70 Sachen über die Pisten holpern (30, wenn’s bergauf geht). Bis jetzt steht der Hitzerekord bei 38,9 Grad im Auto. Da sind jetzt unsere extra aus diesem Grund angefertigten Sitzüberzüge aus Frotteestoff Gold wert (Danke Mami!!!).

Ansonsten geht es uns wunderprächtig, wir haben uns ans zwangfreie Camperleben gewöhnt und wussten bereits nach zwei Wochen nicht mehr, welches Datum, geschweige denn welcher Wochentag wir haben. Sogar die Zeitverschiebung blieb von uns unbemerkt, weshalb wir uns gewundert haben, weshalb die Sonne so spät untergeht und wir bereits Termine zum Skypen versäumt haben. Wir versuchen auch uns aus ökonomischen Gründen an den Tagesablauf hier anzupassen und mit der Sonne aufzustehen und abends früh schlafen zu gehen. Wie Dominik  zu sagen pflegt: „Der frühe Vogel fängt den Wurm!“. Abgesehen davon, dass wir so weniger Strom brauchen, sind wir damit auch vor all den wilden Tieren sicher, die bei Dunkelheit aktiv werden. Insbesondere die Insekten scharen sich in der Dämmerung um uns und nerven gehörig. Im Dachzelt ist’s dann viel sicherer. Die Insektenwelt ist hier übrigens ziemlich beeindruckend. Käfer, Grillen, Falter, Libellen und Spinnen erreichen hier Dimensionen jenseits des Vorstellungsbereiches eines Durchschnittseuropäers. Wir staunen.

Des Weiteren versammeln sich in Namibia die giftigsten Schlangen der Welt. Die Puffotter beispielsweise, könne man offenbar schon am Tage kaum von der Umgebung unterscheiden (wir geben unser Bestes). Ansonsten gibt es hier noch Warzenschweine, Hyänen, Springböcke, Leoparden und Geparde etc., die man in der Nacht besonders gut antreffen könnte. Und auch wenn alle sagen, dass diese Tiere scheu seien und Menschen im Normalfall nicht angreifen, braucht es Überwindung, das sichere Dachzelt noch einmal zu verlassen um sich zu erleichtern. Bisher gelingt es mir noch nicht, dies so gelassen zu sehen; da hilft dann auch jahrelange Pfadilager-Erfahrung eher wenig. Auch das gemütliche Sitzen vor dem Auto bei Kerzenschein ist genau so lange romantisch, bis man hinter seinem Rücken ein Knurren hört und zwei leuchtende Augen erkennt. Auch wenn eine Hyäne im Kampf den Kürzeren ziehen würde (wie Dominik so gerne sagt), möchte ich es ungern darauf ankommen lassen. Das klingt jetzt natürlich alles ein bisschen dramatischer als es tatsächlich ist.

Auf unserer Reise hatten wir eine nette Begegnung mit einem namibischen Guide, der uns viel über die Tier- und Menschenwelt Namibias erzählt hat, uns aber auch mit animalischen Horrorstories versorgt hat. Von ihm haben wir dann auch erfahren, dass wir unweit einer Forschungsstation für Leoparden und Hyänen genächtigt haben. Einmal haben wir ausserdem nicht wissend in der Nähe eines Wasserloches gecampt, weil uns die Farmer dort hin verfrachtet haben, ohne uns jedoch etwas von unserem – je nach Sichtweise – Glück oder Unglück zu sagen.

Ja, Namibia und die Tiere… zuweilen entsteht hier der Eindruck, als bewege man sich in einem Freiluftzoo. Obwohl wir noch in keinem offiziellen Park waren, haben wir schon wilde Pferde, Springböcke, Oryx, Bergzebras und Antilopen neben den Schotterpisten gesehen. Man kann Strausse und unzählige Vögel beobachten. Baboons, das sind die aggressiven Affen mit den langen Zähnen, sitzen in Scharen neben der Fahrbahn. Namibia kann man Tierfans daher wärmstens empfehlen!

Was hier im südlichen Namibia allerdings zu kurz kommt, sind die Begegnungen mit Menschen, und damit sind nicht deutsche Reisegruppen gemeint, denn die gibt’s hier en masse. Unsere Kontakte beschränken sich bisher auf die (weissen) Manager der Lodges/Camps und die (schwarzen) Angestellten an den Tanken/Shops. Dies liegt wohl daran, dass in Namibia insgesamt nur ca. 2.2 Millionen Menschen leben (Namibia ist flächenmässig eines der grössten Länder Afrikas und in etwa 2.5 Mal so gross wie Deutschland). Es gibt hier einige Touristenattraktionen (Oranje River, alte deutsche Kolonialstädte, alte verlassene Diamantengräberstädte, die Dünen des Sossusvlei, etc.) und dazwischen unendliche weite und wunderschöne Natur (Tirasberge, Namib-Wüste, hohe Pässe). Dörfer findet man hier im Süden kaum. Es gibt viele Diamantensperrgebiete, riesige Farmen und natürlich Wüste. Ab und zu findet man auf der Karte eine „Ortschaft“, die man dann im Auto aber beinahe passiert, bis man merkt, dass diese „Ortschaft“ eigentlich nur aus einer Tanke, einem Shop und einem Camping besteht.

Was bei einer Reise durch Namibia abgesehen von der reichen Tierwelt und der wunderschönen Natur ins Auge sticht, ist der deutsche Einfluss, der noch immer sichtbar ist. Auch wenn Namibia „nur“ 30 Jahre lang Deutsch war, ist die deutsche Sprache noch immer verbreitet und viele Ortschaften und Strassen tragen „klangvolle“ deutsche Namen wie z.B. Helmeringhausen, Lüderitz, Grünau, Aussenkehr, Witpütz, Buchholzbrunn etc. Das deutsche Engagement hat natürlich auch Vorteile (Bier nach deutschem Reinheitsgebot)!

Wir freuen uns nun auf das nördliche Namibia und hoffen noch mehr von der Bevölkerung und Kultur des Landes zu sehen!

PS. Die Basteleien am Auto waren erfolgreich: es war nur der Radio, der (vermutlich wegen den vielen Vibrationen) ausgestiegen ist. Der Kühlschrank funktioniert auch wieder und mit dem Dachzelt müssen wir uns wohl oder übel arrangieren.


2 Gedanken zu „Namibia ist gross“

  1. Moinmoin!
    Grossartige Bilder und eine wahnsinns Reise. Einfach sagenhaft.
    Vielen Dank für die tollen Eindrücke.

    Weiterhin viel Spass und gute Reise.
    Harald

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