von Tieren und Menschen

Namibia ist wirklich sehr gross. Und wahrhaftig schön! Wir haben niemals alles gesehen, was man hier sehen könnte. Nach einem lohnenswerten Abstecher durchs Erongo-Gebirge fuhren wir ins Damaraland in die Gegend um Khorixas, wo sich einige Touristenattraktionen befinden. Uralte Felsgravuren der San (die San als Jäger und Sammler gelten als älteste Bevölkerungsgruppe Namibias) haben uns da am meisten beeindruckt. Auf riesigen Felsbrocken kann man heute sehen, wie die San damals miteinander kommuniziert haben und sich beispielsweise gegenseitig über Wasserstellen informiert haben.

Bald waren wir wieder raus aus dieser Gegend, weil es unsäglich heiss war und wir von blutrünstigen Moskitos belagert wurden. Unterwegs in Richtung Etosha nächtigten wir auf einem traumhaften Campingplatz auf einer Farm, wo wir einen richtig kitschigen Sonnenuntergang mit exzellentem südafrikanischem Wein im eigenen „Jacuzzi“ (umfunktionierte Badewanne) geniessen konnten. Danach verbrachten wir zwei Tage im berühmten Etosha Nationalpark. Und mussten leider feststellen, dass Safaris nicht so unser Ding sind. Wir freuen uns natürlich, wenn wir – aus sicherer Distanz- ein Tier sehen, sind jedoch nicht primär wegen den Tieren nach Afrika gekommen. Wir sind beide zudem zu wenig geduldig um an einem Wasserloch auf Tierbesuch zu warten (wir müssen allerdings auch anmerken, dass wir zu einer ungünstigen Zeit den Park besuchten, wo es viele natürliche Wasserlöcher hat, weswegen sich die Tiere nicht allzu sehr konzentrieren und es schwieriger ist, Tiere auszumachen). Während die anderen Touristen in der Dämmerung nochmals auf Pirschfahrt gingen, waren wir schon bei unserem traditionellen „Bier-um-Vier“. Und am Morgen verpassten wir es auch noch mit der Sonne aufzustehen und haben ausführlich gefrühstückt, woraufhin wir wirklich die Allerletzten waren, die zum „game drive“ (wie hier die Tierbeobachtung genannt wird) aufbrachen. Für unsere Gemütlichkeit wurden wir damit belohnt, dass wir innert einer halben Stunde, eher zufällig, auf ein ziemlich imposantes Nashorn trafen und gleich darauf zwei Geparde beim Schmusen beobachten konnten. Das hat unser Herz dann doch ein bisschen erwärmt. Ganz toll war ausserdem das frisch zubereitete Kudufleisch (Bock mit grossen Hörnern), welches wir am Abend im hauseigenen Restaurant geniessen durften. Lustig war auch, als „jemand vom Team Africa“ ein vermeintliches Löwenrudel in der Ferne sichtete. Wir waren total aus dem Häuschen und haben sogar noch wohlwollend wie wir halt sind, lautstark andere Touris über diesen Glücksfall informiert. Während diese dann sofort los düsten um den Löwen besonders nahe zu kommen, mussten wir enttäuscht feststellen, dass das keine Löwen waren, sondern Zebras. Ja, schwarz-weiss gestreifte Zebras. Wie dieser tragische Irrtum passieren konnte, ist uns noch heute ein Rätsel…aber lustig war’s auf jeden Fall!

Trotz der Schönheit Namibias werden wir das Land in Kürze in Richtung Botswana verlassen. Nachdem wir uns an die omnipräsente, laute Tierwelt und das Schlafen im Zelt gewöhnt haben, konnten wir fünf sehr entspannte Wochen in Namibia geniessen. Es ist uns nun klar, weshalb Namibia bei Deutschen, Österreichern und Schweizern als Urlaubsdestination so populär ist. Die Campingplätze entsprachen zumeist einem extrem hohen Standard, meist war alles picobello sauber und man musste nicht einmal sein eigenes Klopapier mitbringen. Dann gab es fast überall künstliche Feuerstellen, sowie Wasser- und Stromanschluss. Fliessendes Wasser wohl bemerkt und dieses war in den allermeisten Fällen sogar heiss verfügbar. Die Strassen sind im (der Autorin bekannten) afrikanischen Verhältnis überdurchschnittlich gut und die Sicherheitslage stabil. Sicherlich gibt es in den Städten hier auch kriminelle Delikte – wie überall in Städten auf der Welt, wo viele Menschen zusammentreffen. Erwähnenswert ist überdies, dass das Land politisch stabil ist und in den letzten Jahren ziemlich friedlich war. Dies erfreut, handelt es sich doch um einen typischen afrikanischen Vielvölkerstaat mit verschiedenen ethnischen Gruppen und jeweils unterschiedlichen Bedürfnissen. Abgesehen davon  musste Namibia (ehemals Südwestafrika) nach der Unabhängigkeit von Südafrika im Jahre 1990 die Auswirkungen des Apartheid-System bewältigen (das Land war bis zum ersten Weltkrieg eine deutsche Kolonie, bis es dann von den britischen Truppen Südafrikas erobert wurde und fortan unter der Verwaltung Südafrikas stand). Des Weiteren kann man sich in grösseren Ortschaften in Shoppingcenters mit allem versorgen was das Herz begehrt. Korruption ist uns in der ganzen Zeit auch keine aufgefallen und unsere Begegnungen mit der Polizei verliefen problemlos. Einmal wollten wir einen Naturschutzpark passieren und gingen davon aus, dass wir für die Durchfahrt bezahlen müssten und fragten nach dem Preis. Der Officer erwiderte jedoch mit einem freundlichen Lächeln, dass wir selbstverständlich nichts zu bezahlen hätten und wünschte uns eine gute Reise. Namibia – die Schweiz Afrikas?
Das Reisen hier ist wirklich einiges entspannter als ich es mir von früheren Afrikareisen gewohnt bin. Trotzdem zieht es uns weiter, weiter rauf ins „andere“ Afrika. Zuerst werden wir jedoch noch Botswana besuchen, was vom Standard offenbar ungefähr Namibia entspricht, allerdings noch teurer ist. Es ist halt schon so, dass diese Länder hier unten im südlichen Afrika eher für besser betuchte Reisende geeignet sind, ausser man schläft wie wir im Auto und kocht hauptsächlich selbst. Es gibt hier unzählige Luxusunterkünfte, die wir weder bezahlen können noch wollen. Aber ohne allzu negativ zu sein: Diese Art von Tourismus bringt natürlich mehr Geld und mehr Geld bringt dann vielleicht irgendwann mal, eventuell, gegebenenfalls, mehr Wohlstand für die Bevölkerung, und dann hoffentlich auch für die Bevölkerung als Ganzes. Und natürlich Arbeitsstellen, was unglaublich wichtig ist.

Was für uns beide neu ist, ist das Reisen im eigenen Fahrzeug in Gegenden, wo ein grosser Teil der Bevölkerung in Armut lebt. Es wirkt halt schon sehr dekadent, wenn man mit seinem Offroader auf den Parkplatz vor dem Shoppingcenter fährt. Und dann später voll bepackt mit Tüten, bis oben gefüllt mit Essen, rauskommt, und damit an den Bettlern vorbei läuft. In Ländern wo es wenige bis keine Shoppingcenter gibt und das Angebot ohnehin für alle beschränkt ist, fällt einem das wohl weniger auf, als in Länder mit einem grossen Wohlstandsgefälle (zumal sich dieses Gefälle hier tendenziell entlang unterschiedlicher Hautfarben zieht). Wird man dann von einem Bettler angesprochen und darauf aufmerksam gemacht, dass man selber alles habe, während er Hunger leide, denkt man als erstes, dass er dafür doch seine Regierung verantwortlich machen soll. Und gibt dann doch Geld, da der Bettler bereits den Einkaufswagen in Beschlag genommen hat, um ihn im Gegenzug zu ein paar namibische Dollars zurückzubringen. Dabei kommt man sich dann noch blöder vor, weil man den Wagen eigentlich ganz gut selber zurückbringen könnte und nicht „den Afrikaner Dienste für sich erledigen lassen möchte“. Ist es also sinnvoller, einem Bettler einfach so Geld zu geben? Oder lässt man ihn, wie vorher genannt, noch dafür arbeiten und bezahlt ihn dann anschliessend dafür (auch wenn die milde Gabe im Verhältnis zum Arbeitsaufwand völlig unpassend ist)? Oder gibt man einfach nichts und läuft weiter? Das sind halt so Fragen, mit denen man sich auf solch einer Reise auch auseinandersetzen und jeder für sich selber beantworten muss.

Bisher haben wir eher wenige Overlander, die mit dem eigenen Fahrzeug unterwegs sind, kennengelernt. Die meisten Urlauber, die wir hier so angetroffen haben, sind im mittleren Alter und sprechen wie bereits oben genannt irgendeine Form der deutschen Sprache und sind bereits zum 4 oder 5 Mal in Namibia, weshalb sie das Land – und natürlich generell Afrika – wie ihre eigene Westentasche kennen. Diese Leute haben uns dann natürlich auch unaufgefordert mehr oder weniger hilfreiche Tipps gegeben. Wir wurden hier schon einige Male schief angeguckt, nachdem wir unseren „quer-durch-Afrika-Plan“ dargelegt haben. Man hat uns viel Glück gewünscht und wir wurden ermahnt, vorsichtig zu sein, denn „das ist Afrika!“ (soll heissen: Afrika ist gemein gefährlich, wild und unzivilisiert). Bei einem mehr oder weniger aufgezwungenen Kaffeekränzchen mit ein paar Touristen, wurden wir dann noch darüber informiert, dass Afrikaner generell faul seien, keine Arbeitsmoral haben und im besten Fall zum Laub wischen taugen. Afrikaner, die Farmen führen? Auf keinen Fall! Ohne das deutsche Engagement in Namibia gäbe es da nichts ausser Einöde! Da wurde nicht nur die Milch im Kaffee sauer… Ja, man kann auch weit reisen und dennoch einen ziemlich begrenzten Horizont haben.

Natürlich hatten wir auch tolle Begegnungen mit anderen Reisenden und immer wieder haben wir Komplimente für unseren Mitsubishi bekommen. Da war allerdings auch ein Farmer, der verständnislos gefragt hat, wieso wir unser Auto so komisch angemalt hätten… Normalerweise heisst es jedoch: „OMG what a beauuuutiful car!“ 🙂
Es ist halt schon ein wahres Bijou und bereitet uns (so lange es noch so gut läuft wie jetzt) wahnsinnig grosse Freude !

6 Gedanken zu „von Tieren und Menschen“

  1. Hallo Ihr Beiden,

    tolle Bilder aus der Wildnis, inkl. freier Mitarbeiter und Zebrabadewanne. Ein wenig Luxus abseits der Zivilisation sei Euch gestattet; mit den diversen Helfern auf den Parkplätzen der Shoppingzenter die auf das Auto aufpassen und beim Ausparken helfen, oder beim Baden im Nirgendwo. Es freut mich, Euch zufrieden reisen zu sehen. Ich wünsche Euch weiterhin gutes Gelingen und unfallfreies Fahren!

    Liebe Grüsse roger

  2. Happy BIrthday Dominik! Alles Gute und weiterhin gute Reise! Tolle Berichte die ihr da zum veröffentlicht, immer wieder spannend zu lesen:-)!
    Lieber Gruss aus Bern,
    Tinu

  3. Hallöchen ihr zwei,

    es sieht ganz so aus, als würdet ihr eure reise in vollen zügen genießen. weiter so. 🙂 die fotos sehen wahnsinnig toll aus.

    Dominik altes Haus, ich wünsche dir nur das beste und alles liebe zum geburtstach. ich gehe mal davon aus, dass auch dieser tag für dich unvergesslich sein wird, auch wenn es diesmal wahrscheinlich kein improvisiertes schokoladenfondue geben wird. 🙂 ganz liebe grüße in die ferne.

  4. Uhu Lisa und Dominik,
    1000-Dank für all die usfüerleche u interessante Reiseprichte u schöne Fötteli!
    Ganz e gueti Witterreis wünscht öich d’Verena

    N.B. i gloube, z’erschte Africa-Souvenir chönnt e Zebra-Badwanne si!? Falls Dir künftig deheime ke Platz hättet derfür, i chönnt de mi Garte zur Verfüegig stelle!

  5. Liebe Lisa, lieber Dominik

    Kurz bevor wir nach Dänemark fliegen, bewundern wir Eure tollen Reiseberichte und Fotos! Man spürt, dass es euch richtig gut geht. Wir wünschen euch weiterhin eine wunderbare Reise und sind gespannt auf Eure nächsten Berichte! Liebe Grüsse Grossmami Elna & Ariane

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